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Niedrigzinspolitik lähmt Wirtschaft

Die expansive Geldpolitik in Verbindung mit dem anhaltenden historischen Niedrigzins ist einer der zentralen Auslöser für die zurückhaltende Investitionstätigkeit der Unternehmen, so das Fazit der Expertenrunde „Geld ohne Preis“ beim 25. Deutschen Sparkassentag. Der zunehmende Preis- und Margendruck, die anhaltende Niedrigzinsphase und der Trend zu kurzfristigen Einlagen haben einen hohen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit aller Kreditinstitute – und auf die Vermögensbildung bzw. Altersvorsorge ihrer Kunden. Im Ergebnis betrachtete die Runde eine Anhebung des Leitzinses durch die EZB als zwingend geboten.

Die Auswirkungen des Niedrigzinses seien noch nicht abzusehen“, sagte etwa Dr. Andreas Dombret, Mitglied des Vorstands Deutsche Bundesbank. Die Ertragskraft der Kreditinstitute gehe aufgrund der Niedrigzinspolitik zurück. Einer Änderung des Preisstabilitätsziels erteilte er indes eine Absage. Das sei keine glaubwürdige Lösung. „Wir brauchen Preisstabilität von 2 Prozent. Die aktuelle Politik der EZB ist vor diesem Hintergrund angemessen“, so der Zentralbanker. Allerdings werde die Bundesbank anmahnen, so schnell wie möglich aus der Niedrigzinspolitik auszusteigen, wenn das Preisniveau steigt. „Daran werden wir die EZB erinnern“, versprach Dombret.

„Wir werden uns auf neue Realitäten im Bankengeschäft einstellen müssen“, konstatierte Herbert Hans Grüntker, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). „Wir dürfen jetzt aber nicht erhöhte Risiken eingehen, um Ertragsdruck aufzufangen.“ Zugleich hob Grüntker die hohe Akzeptanz der Sparkassen-Finanzgruppe hervor: „Wir sind dezentral aufgestellt und damit Spiegelbild der Wirtschaft in Deutschland. Die Menschen erkennen an, dass wir unsere Marktführerschaft hart erarbeitet haben.“

Indes verwies Dr. Birgit Roos, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Krefeld, darauf, dass ein Negativzins, wie ihn Banken nun auch für Privatkunden erwägen, für ihre Sparkasse nicht denkbar sei. „Die Sparer vertrauen darauf, dass sie bei uns keinen Negativzins zu erwarten haben. Dafür stehen wir. Andererseits zeigen uns die Kunden mit ihrer Zahlungsbereitschaft, dass sie bereit sind für gute Arbeit zu zahlen.“

Mit Blick auf Fernost betonte die Runde die verheerenden Konsequenzen anhaltender Niedrigzinsen. In Japan gehe nichts mehr voran, sagte Dr. Peter Kaemmerer, Präsident des DKSH Japan. „Die Leute horten viel Bargeld zuhause. Auch die großen Unternehmen sitzen auf Bergen von Bargeld und fragen sich, wo sie investieren sollen. Banken spielen keine Rolle mehr.“